Star Trek Voyager: Across the Unknown

PC

Es gibt Spiele, mit denen rechnet man einfach nicht mehr. Gerade im Star-Trek-Universum sind ambitionierte Titel in den letzten Jahren eher rar geworden – umso überraschender ist die Veröffentlichung von Star Trek Voyager: Across the Unknown. Ein Spiel, das nicht nur eine der beliebtesten Serien der Franchise wieder aufgreift, sondern sich auch traut, neue erzählerische Wege zu gehen. Doch kann der Titel die hohen Erwartungen erfüllen, oder bleibt er nur ein nostalgischer Ausflug in den Delta-Quadranten?

Die Geschichte wird neu geschrieben! Deine Voyager, deine Entscheidung!

Ein zentraler Bestandteil von Star Trek Voyager: Across the Unknown ist die außergewöhnlich umgesetzte Storyline. Statt eine neue Geschichte zu erzählen, greift das Spiel die komplette Handlung aller Voyager-Staffeln auf – allerdings mit einem entscheidenden Twist: Du bestimmst, wie sich alles entwickelt.

Von der ersten Begegnung im Delta-Quadranten bis hin zur möglichen Rückkehr zur Erde erlebst du bekannte Ereignisse aus der Serie, doch sie sind nicht in Stein gemeißelt. Jede Mission, jede Begegnung und jede Entscheidung liegen in deiner Hand. Bleibst du der Föderationsdoktrin treu oder schlägst du einen pragmatischeren, vielleicht sogar rücksichtsloseren Weg ein?

Dabei geht das Spiel weit über einfache Dialogoptionen hinaus. Entscheidungen beeinflussen:

  • den Verlauf zentraler Story-Missionen
  • Beziehungen innerhalb der Crew
  • das Schicksal ganzer Spezies
  • und letztlich den Ausgang der gesamten Reise

Besonders spannend ist der Umgang mit bekannten Charakteren. Vertraute Gesichter sind nicht automatisch sicher – je nach deinen Entscheidungen kann es dazu kommen, dass Crewmitglieder frühzeitig ausscheiden oder sogar sterben. Das sorgt für eine spürbare emotionale Fallhöhe und macht jede Entscheidung bedeutungsvoll.

Durch dieses System entsteht eine hohe Wiederspielbarkeit: Mehrere mögliche Enden laden dazu ein, verschiedene Wege auszuprobieren. Vielleicht schaffst du es, die Voyager sicher nach Hause zu bringen – oder deine Reise endet ganz anders, als es die Serie je gezeigt hat.

Star Trek Voyager: Across the Unknown macht damit genau das, was sich viele Fans immer gewünscht haben: Es lässt dich nicht nur Teil der Geschichte sein – es lässt dich die Geschichte neu schreiben.

Grafisch Old-School, aber melodisch auf Wellenlänge

Grafisch liefert das Spiel eine solide, wenn auch nicht überragende Leistung. Die Modelle der Schiffe – allen voran die Voyager – sind detailreich und liebevoll gestaltet. Planetensysteme und Weltraumkulissen erzeugen eine stimmige Sci-Fi-Atmosphäre, auch wenn sie technisch nicht immer auf dem neuesten Stand sind.

Der Soundtrack hingegen überzeugt auf ganzer Linie: orchestral, episch und stets passend zur Situation. Besonders hervorzuheben ist die (teilweise) Rückkehr bekannter Synchronstimmen, die für zusätzliche Authentizität sorgen.

Wobei der Soundtrack punkten kann, wurde leider weniger Arbeit in die Umsetzung einer umfangreichen Synchronisation gesetzt. Zwar werden wir auf vertonte Logbucheinträge von Tuvok und Paris stoßen, die auch von den original-Synchronsprechern eingelesen wurden, aber sämtliche weitere Texte werden leider nicht davon betroffen sein. Da das Spiel von Interaktionen lebt wird auf die Spieler eine enorme Textmenge zukommen, die aber eingefleischte Star Trek Fans nicht traurig stimmen lässt. Allerdings hätte man auch hier auf die Unterstützung von KI setzen können. Warum man diesen Weg nicht gegangen ist, bleibt allerdings erstmal fraglich.

Gameplay – Taktik, Risiko und Verantwortung

Das Gameplay von Star Trek Voyager: Across the Unknown setzt konsequent auf ein rundenbasiertes System, das stark von strategischem Denken und vorausschauender Planung lebt. Jede Entscheidung zählt – und wer unüberlegt handelt, bringt nicht nur die Mission, sondern die gesamte Crew in Gefahr.

Im Zentrum steht dabei das Ressourcenmanagement. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad wird es zur echten Herausforderung die Energie, Nahrung, Materialien und Personal effizient zu verwalten. Um an neue Ressourcen zu gelangen, müssen fremde Planeten angeflogen und Expeditionen gestartet werden. Der Clou: Erfolg und Ausbeute werden durch ein Würfelsystem bestimmt.

Dieses Glückselement sorgt für Spannung, kann aber auch gnadenlos sein – selbst gut vorbereitete Missionen können scheitern, während riskante Entscheidungen plötzlich belohnt werden.

Ein besonders interessanter Ansatz: Die USS Voyager ist zu Beginn des Spiels schwer beschädigt. Das Schiff wird nicht einfach verwaltet, sondern muss aktiv wieder aufgebaut werden.

Du arbeitest dich Ebene für Ebene durch das Schiff und musst Trümmer beseitigen, Systeme reparieren und neue Räume errichten sowie optimieren. Dabei entscheidest du selbst, welche Bereiche Priorität haben. Setzt du zuerst auf Forschung, um Vorteile freizuschalten? Oder sicherst du lieber die Grundversorgung deiner Crew?

Die Crew ist das Herzstück des Spiels – und gleichzeitig eine deiner größten Herausforderungen. Jedes Crewmitglied wird benötigt, um Räume zu betreiben:

  • Forschungslabore brauchen Wissenschaftler
  • Maschinenräume benötigen Techniker
  • Produktionsbereiche erfordern Arbeitskräfte

Doch Arbeitskraft allein reicht nicht: Die Moral der Crew spielt eine entscheidende Rolle. Deine Entscheidungen – sowohl in der Story als auch im Management – wirken sich direkt auf die Stimmung an Bord aus.

Sinkt die Moral zu stark können Crewmitglieder im schlimmsten Fall das Raumschiff verlassen

Gleichzeitig hast du aber auch die Möglichkeit, neue Crewmitglieder anzuheuern, um Verluste auszugleichen oder dein Team gezielt zu erweitern. Dadurch entsteht ein dynamisches System, in dem du ständig abwägen musst: Wen kannst du ersetzen – und wen auf keinen Fall verlieren?

Das Gameplay vereint geschickt mehrere Systeme: rundenbasierte Strategie, Zufallselemente durch Würfelmechaniken und tiefgehendes Crew- sowie Ressourcenmanagement.

Die Mischung sorgt für ein spannendes Spielgefühl, bei dem jede Runde neue Risiken und Chancen bietet – und bei dem nicht nur deine taktischen Fähigkeiten, sondern auch dein Umgang mit Unsicherheit auf die Probe gestellt wird.

Forschungsbaum – Deine Strategie entscheidet

Ein weiterer zentraler Gameplay-Baustein in Star Trek Voyager: Across the Unknown ist der umfangreiche Forschungsbaum, der dir zahlreiche Möglichkeiten bietet, die Entwicklung der Voyager gezielt zu steuern. Fortschritt gibt es hier allerdings nicht geschenkt: Jede neue Technologie muss mit wertvollen Ressourcen erforscht werden, die du zuvor mühsam auf Planeten gesammelt hast.

Der Clou dabei: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Stattdessen verzweigt sich der Forschungsbaum in mehrere unterschiedlichen Bereiche, die jeweils eigene Vorteile mit sich bringen – und dich gleichzeitig vor strategische Entscheidungen stellen.

Je nach Spielstil kannst du deine Prioritäten setzen und die Voyager in eine bestimmte Richtung entwickeln:

Verteidigungssysteme
Verbesserte Schilde, stärkere Hüllen und effizientere Schadenskontrolle sorgen dafür, dass du auch in brenzligen Situationen länger durchhältst.

Kampfsysteme
Neue Waffen, optimierte Zielsysteme und taktische Vorteile im Gefecht machen dich zur ernstzunehmenden Bedrohung im Delta-Quadranten.

Crew & Moral
Maßnahmen zur Steigerung der Crewzufriedenheit, effizientere Arbeitsabläufe und bessere Regeneration wirken sich direkt auf die Leistungsfähigkeit deiner Mannschaft aus.

Technik & Versorgung
Verbesserte Produktionsketten, geringerer Ressourcenverbrauch und schnellere Reparaturen sichern dein langfristiges Überleben.

Da Ressourcen begrenzt sind, kannst du nicht alles gleichzeitig maximieren. Genau hier entfaltet der Forschungsbaum seine Stärke:

Setzt du auf militärische Stärke, um Konflikte schnell zu lösen?
Oder investierst du lieber in die Moral deiner Crew, um langfristig stabil zu bleiben?
Vielleicht entscheidest du dich auch für einen ausgewogenen Ansatz – mit dem Risiko, in keinem Bereich wirklich zu glänzen.

Jede Entscheidung hat direkte Auswirkungen auf deinen Spielverlauf und kann darüber entscheiden, ob du kritische Situationen meisterst oder an ihnen scheiterst.

Kampfsystem – Strategische Gefechte mit Konsequenzen

Das Kampfsystem in Star Trek Voyager: Across the Unknown ist stark von strategischem Denken geprägt und verzichtet bewusst auf direkte, actionlastige Steuerung. Stattdessen agiert der Spieler als Kommandant, der Befehle erteilt und den Verlauf der Schlacht durch kluge Entscheidungen beeinflusst. Bereits im Vorfeld wird deutlich, dass Kämpfe nicht isoliert stattfinden, sondern eng mit dem restlichen Spiel verknüpft sind. Je nachdem, wie man sich in Missionen verhält, kann die allgemeine Bedrohungslage im Delta-Quadranten steigen oder sinken. Ein hoher Bedrohungswert führt dazu, dass Überfälle häufiger auftreten und Gegner aggressiver sowie zahlreicher werden, wodurch sich die Intensität der Gefechte spürbar erhöht. Zudem bringt ein Pausemodus die gewisse taktische Tiefe in die Gefechte mit rein.

In der eigentlichen Kampfsequenz liegt der Fokus vollständig auf taktischen Entscheidungen. Der Spieler gibt gezielte Befehle und bestimmt, welche Systeme der gegnerischen Schiffe angegriffen werden sollen. Dabei kann flexibel zwischen Waffensystemen, Schilden oder Antrieben gewählt werden, um den Gegner gezielt zu schwächen oder kampfunfähig zu machen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, zwischen mehreren feindlichen Schiffen zu wechseln, um Angriffe zu bündeln und Prioritäten zu setzen. Diese Herangehensweise sorgt dafür, dass jede Schlacht individuell verläuft und sich an die jeweilige Situation anpassen lässt.

Unterstützt wird der Spieler durch bis zu drei auswählbare Crewmitglieder, die als eine Art Spezialisten fungieren und aktiv in das Kampfgeschehen eingreifen können. Diese Charaktere verfügen über besondere Fähigkeiten, die taktisch eingesetzt werden müssen. So kann beispielsweise ein kompletter Schildreset ausgelöst, die Ausweichchance erhöht oder die Präzision der eigenen Waffen verbessert werden. Allerdings sind diese Fähigkeiten nicht unbegrenzt verfügbar, sondern unterliegen einem Cooldown-System, wodurch der richtige Einsatzzeitpunkt entscheidend wird. Wer seine Optionen zu früh verbraucht, könnte in kritischen Momenten ohne Unterstützung dastehen.

Auch das Waffenarsenal spielt eine wichtige Rolle. Während Phaser als verlässliche Standardwaffe jederzeit eingesetzt werden können, stellen Photonentorpedos eine deutlich stärkere, aber begrenzte Ressource dar. Ihr Einsatz will gut überlegt sein, da sie nachproduziert werden müssen und somit nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Gerade in längeren oder besonders schwierigen Gefechten kann ein sparsamer Umgang den entscheidenden Unterschied machen.

Ergänzt wird das Kampfsystem durch die Möglichkeit, zusätzliche Schiffe anzuheuern, die im Gefecht unterstützen. Diese Verbündeten erweitern die taktischen Optionen und können helfen, selbst übermächtige Gegner zu bezwingen. Insgesamt entsteht ein Kampfsystem, das weniger auf schnelle Reflexe als vielmehr auf Planung, Übersicht und vorausschauendes Handeln setzt und damit perfekt zur Rolle eines Sternenflotten-Captains passt.

Fazit – Eine Reise, die sich lohnt!

Star Trek Voyager: Across the Unknown erweist sich als eine durchweg positive Überraschung und liefert ein Spielerlebnis, das vor allem durch seine spielerische Tiefe und Freiheit überzeugt. Besonders der Mix aus Ressourcenmanagement, rundenbasiertem Gameplay und dem schrittweisen Wiederaufbau der Voyager sorgt für langanhaltende Motivation. Es macht schlichtweg Spaß, das eigene Schiff Ebene für Ebene wiederherzustellen, zu optimieren und nach den eigenen Vorstellungen weiterzuentwickeln.

Auch die individuelle Ausrichtung der Voyager ist ein großer Pluspunkt. Ob man den Fokus eher auf Kampf, Verteidigung oder das Wohl der Crew legt, bleibt komplett dem Spieler überlassen und wirkt sich spürbar auf den Spielverlauf aus. In Kombination mit der dynamischen Storyline, in der jede Entscheidung Konsequenzen hat, entsteht ein sehr persönliches Abenteuer. Selbst wenn es bedeutet, dass man sich von bekannten und liebgewonnenen Seriencharakteren verabschieden muss – genau diese Momente unterstreichen die Konsequenz und Tiefe des Spiels.

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt jedoch die fehlende Gewichtung der Synchronisation. Viele Inhalte werden über Text vermittelt, wodurch der Spieler häufig lesen muss. Das kann den Spielfluss gelegentlich bremsen und dürfte nicht jeden gleichermaßen ansprechen.

Nichtsdestotrotz richtet sich das Spiel klar an Fans der Voyager-Reihe, die hier voll auf ihre Kosten kommen – und das nicht nur aus nostalgischen Gründen. Auch Spieler, die generell Freude an komplexen Strategie- und Managementsystemen haben, finden hier ein überzeugendes Gesamtpaket.

Am Ende ist Across the Unknown genau das geworden, was man sich lange gewünscht hat: ein tiefgehendes, forderndes und gleichzeitig atmosphärisches Star Trek-Spiel, das sowohl Fans als auch Genre-Liebhaber begeistern kann.

Good

  • Atmosphärische Story mit echten Entscheidungen
  • Tiefgehendes Crew-Management
  • Anspruchsvolle, taktische Kämpfe
  • Starke Fanbindung ohne Neueinsteiger auszuschließen

Bad

  • Technisch nicht auf AAA-Niveau
  • Gelegentliche Balance-Probleme
  • Keine Sprachausgabe bei den Dialogen
8.5

Gut

Lost Password