LIFTED

Mit Lifted ist vergangenen Monat ein neuer Jump and Run Titel aus dem Hause Adventure Works erschienen, welches versucht ein unterhaltsames Abenteuer gepaart mit actionreichen und rätselhaften Elementen zu verbinden.

Wie uns dieser Titel gefallen hat, erfahrt ihr im aktuellen Testbericht.

Eine Schulstunde, die völlig aus dem Ruder läuft

Die Geschichte beginnt denkbar unspektakulär. Ari Buktu ist Schüler und hat eigentlich vor allem ein Ziel: zusätzliche Punkte für seine schulische Leistung zu sammeln. Dafür lässt er sich auf ein Projekt seines Physiklehrers Professor Raventhorpe ein.

Was zunächst nach einer etwas ungewöhnlichen Schulaufgabe klingt, entwickelt sich allerdings schnell zu einer Reise durch die Geschichte.Denn der Professor hat eine Zeitmaschine gebaut. Der sogenannte „Anytime Elevator“ funktioniert im Prinzip wie ein Aufzug, dessen Ziel nicht ein Stockwerk, sondern ein Zeitpunkt und ein Ort in der Geschichte ist.

Ganz ausgereift ist die Erfindung allerdings noch nicht. Während das gewünschte Zeitalter offenbar zuverlässig erreicht wird, läuft die räumliche Navigation nicht immer nach Plan. Genau daraus entstehen viele der Situationen, in die Ari und seine Begleiter geraten.

Der eigentliche Anlass für die Reise ist ebenfalls ungewöhnlich. Professor Raventhorpe möchte einen wertvollen historischen Gegenstand aufspüren und verfolgt dabei nicht nur wissenschaftliche Interessen. Seine persönlichen Motive spielen eine mindestens ebenso große Rolle. Ari wird dadurch unfreiwillig zum Helfer in einer Unternehmung, die irgendwo zwischen Schatzsuche, Liebesgeschichte und Zeitreise-Abenteuer angesiedelt ist.

Die Handlung bleibt jederzeit leicht verständlich und richtet sich damit auch an jüngere Spieler. Wer eine ausgefeilte Zeitreisegeschichte mit zahlreichen Wendungen erwartet, wird vermutlich etwas enttäuscht sein. Dafür vermittelt das Abenteuer von Beginn an eine angenehme Leichtigkeit. Es geht weniger um dramatische Konsequenzen als um die Frage, was als Nächstes passieren wird.

Spielerisch einfach zugänglich, aber abwechslungsreich

Spielerisch bewegt sich LIFTED zwischen Plattformspiel und Adventure. Ari erkundet die verschiedenen Gebiete, springt über Hindernisse, klettert, bewegt sich über Abgründe und muss immer wieder kleinere Aufgaben lösen –  eben wie wir es aus Jump and Run Spiele der alten Tage lieben gelernt haben. Das grundlegende Spielprinzip ist schnell verstanden und verlangt keine lange Eingewöhnungsphase.

Das ist eine bewusste Designentscheidung. LIFTED möchte keine Herausforderung sein, die Spieler an ihre Grenzen bringt. Vielmehr soll der Spielfluss im Vordergrund stehen. Dadurch eignet sich der Titel auch für Menschen, die nur selten Plattformspiele spielen oder mit jüngeren Familienmitgliedern gemeinsam spielen möchten. Das wird am Design der Level auch noch einmal deutlich. Denn der Titel wirkt zwar dreidimensional an manchen Passagen, ist allerdings nur wie eine Art Sidescroller spielbar. Den Charakter werden wir somit nicht räumlich bewegen können, sondern agieren wie fest getackert auf einer Linie. Der Kamerawechsel an manchen Passagen lässt aber dennoch ein anderes Gefühl aufkommen.

Abwechslung entsteht vor allem dadurch, dass neue Bewegungsmöglichkeiten nach und nach hinzukommen. Dadurch verändern sich auch die Möglichkeiten, sich durch die Spielwelt zu bewegen. Statt ständig dasselbe Sprungmuster abzuarbeiten, erhält man im Verlauf neue Werkzeuge, mit denen sich die Umgebung erschließen lässt.

Auch die Rätsel sind entsprechend aufgebaut. Statt komplizierter Logikaufgaben erwarten den Spieler überwiegend Situationen, in denen man aufmerksam beobachten und herausfinden muss, wie bestimmte Elemente der Umgebung miteinander funktionieren. Das Ergebnis ist ein Spielfluss, bei dem man nur selten längere Zeit feststeckt.

Für Einsteiger ist das ein großer Vorteil. Für erfahrene Genre-Fans ist es gleichzeitig eine der größten Schwächen des Spiels. Wer Plattformspiele wegen präziser Sprungpassagen oder anspruchsvoller Rätsel liebt, dürfte sich von LIFTED relativ schnell unterfordert fühlen. Hinzu kommen kleinere technische Ungenauigkeiten. In manchen Situationen fühlt sich die Steuerung nicht ganz präzise an, wie man es sich bei einem Plattformspiel wünschen würde. Auch die Perspektive kann gelegentlich die Einschätzung eines Sprungs erschweren. Das sind keine Probleme, die das gesamte Spiel dominieren, aber sie verhindern, dass sich die Bewegungsmechanik wirklich auf dem Niveau der besten Genrevertreter bewegt.

Dafür ist das Tempo angenehm. Auf ruhigere Erkundungsabschnitte folgen Rätsel, kleinere Actionmomente oder Fluchtsequenzen. So entsteht ein Wechsel, der das Abenteuer in Bewegung hält. Laut Entwickler ist die gesamte Kampagne bewusst kompakt gehalten und dauert bei den meisten Spielern ungefähr drei bis fünf Stunden.

Damit ist LIFTED kein Spiel, das wochenlang beschäftigen möchte. Es ist eher vergleichbar mit einem guten Abenteuerfilm, den man an einem Wochenende durchspielen kann.

Sound und Synchronisation – Viel Atmosphäre, wenig Leerlauf

Die akustische Gestaltung unterstützt diesen filmischen Anspruch. Die Musik begleitet die unterschiedlichen Schauplätze und sorgt dafür, dass sich die Reise durch verschiedene Epochen nicht nur optisch, sondern auch akustisch voneinander unterscheidet.

Besonders wichtig sind allerdings die gesprochenen Dialoge. Die Hauptfiguren besitzen klar erkennbare Persönlichkeiten und werden durch ihre Stimmen zusätzlich charakterisiert. Professor Raventhorpe tritt dabei deutlich enthusiastischer auf als Ari, der das Geschehen zunächst eher widerwillig über sich ergehen lässt. Aus diesem Gegensatz entsteht ein großer Teil des Humors.

Die englische Sprachausgabe gehört zur vollständigen Audioausstattung des Spiels. Deutsche Texte und Untertitel sind ebenfalls vorhanden, eine deutsche Vollvertonung gibt es dagegen nicht.

Die Dialoge sind dabei eindeutig auf ein jüngeres beziehungsweise familienfreundliches Publikum zugeschnitten. Einige Gags funktionieren gut, andere wirken etwas vorhersehbar. Trotzdem tragen die Gespräche dazu bei, dass die Figuren nicht wie reine Spielfiguren wirken, sondern tatsächlich Charakter bekommen.

Der Soundtrack passt sich ebenfalls gut an das Geschehen an. Die Musik möchte nicht unbedingt als eigenständiges Konzertstück im Gedächtnis bleiben, erfüllt aber ihre Aufgabe innerhalb der Spielwelt. Sie unterstützt die Spannung, vermittelt Abenteuerstimmung und sorgt dafür, dass die einzelnen Abschnitte ihre eigene Atmosphäre erhalten.

Bunte und verspielte Umgebung

Optisch verfolgt Lifted einen klaren Stil. Die Spielwelt ist farbenfroh gestaltet und setzt auf eine stilisierte Darstellung statt auf möglichst realistische Grafik. Das passt hervorragend zum familienfreundlichen Charakter des Spiels.

Besonders auffällig ist die Kameraführung. Die Entwickler nutzen die dreidimensionale Umgebung immer wieder für größere Einstellungen und Perspektivwechsel. Dadurch wirkt das Geschehen stellenweise deutlich größer, als es das eigentliche Spielprinzip vermuten lässt.

Dadurch sollen die Szenen nicht lediglich stattfinden, sondern möglichst spektakulär präsentiert werden. Die historischen Schauplätze profitieren davon besonders. Ändert sich die Epoche, verändert sich gleichzeitig das Erscheinungsbild der Spielwelt. Das sorgt für einen angenehmen visuellen Wechsel und verhindert, dass sich das Abenteuer wie eine Aneinanderreihung ähnlich aussehender Level anfühlt.

Technisch muss sich LIFTED dabei nicht verstecken, auch wenn es kein grafisches Vorzeigeprojekt sein möchte. Seine Stärke liegt eindeutig im Art-Design und in der Präsentation. Die Figuren wirken sympathisch, die Umgebungen sind abwechslungsreich und die Inszenierung vermittelt immer wieder das Gefühl eines interaktiven Animationsfilms.

Fazit

LIFTED ist kein Spiel für diejenigen, die nach der nächsten großen spielerischen Herausforderung suchen. Es möchte weder mit komplexen Rätseln noch mit besonders anspruchsvollen Plattformpassagen überzeugen. Seine eigentliche Stärke liegt woanders: im Zusammenspiel aus sympathischer Geschichte, abwechslungsreichen Schauplätzen, zugänglicher Steuerung und einer liebevollen Präsentation.

Gerade die überschaubare Spielzeit ist dabei Fluch und Segen zugleich. Nach rund drei Stunden ist das Abenteuer bereits vorbei. Einerseits hätte man sich angesichts der interessanten Zeitreise-Idee durchaus noch einige zusätzliche Stationen gewünscht. Andererseits verhindert die kompakte Struktur, dass sich das Spiel unnötig in die Länge zieht.

Für Familien ist LIFTED deshalb besonders interessant. Kinder bekommen ein leicht zugängliches Abenteuer mit bunten Welten und überschaubaren Herausforderungen. Erwachsene erhalten dagegen eine angenehm unkomplizierte Unterhaltung, die sich problemlos an einem Wochenende durchspielen lässt.

Wer einen anspruchsvollen Plattformer sucht, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen. Wer dagegen Lust auf eine charmante, humorvolle und bewusst unkomplizierte Zeitreise hat, bekommt mit LIFTED ein sympathisches Gesamtpaket. Das Spiel möchte nicht beeindrucken, indem es alles größer, schwieriger und komplexer macht. Stattdessen setzt es auf Charaktere, Atmosphäre und das klassische Gefühl eines Abenteuerfilms.

Genau deshalb funktioniert LIFTED am besten, wenn man sich auf seine Zielgruppe einlässt. Es ist kein Titel, der das Genre revolutioniert. Aber es ist ein liebevoll gemachtes Abenteuer, das seine überschaubaren Möglichkeiten gut nutzt und vor allem eines vermittelt: die Freude daran, gemeinsam mit seinen Figuren herauszufinden, was hinter der nächsten Tür oder im nächsten Zeitalter wartet.

Good

  • Charmante Zeitreisegeschichte mit sympathischen Charakteren
  • Abwechslungsreiche historische Schauplätze
  • Sehr zugängliches Gameplay für Einsteiger
  • Stimmige, farbenfrohe und filmische Präsentation

Bad

  • Für erfahrene Spieler schnell zu einfach
  • Teilweise unpräzise Plattformpassagen
  • Kurze Spielzeit begrenzt den Umfang
8.3

Gut