EverRail

PC

Ein Zug als Basis, ein gefrorener Exomond-Welt als Spielplatz und jeder Passagier als potenzielles Leben: EverRail verbindet Survival, Crafting, Erkundung und Koop zu einem ungewöhnlichen Gesamtpaket. Wie gut diese Mischung bereits funktioniert und wo noch Baustellen warten, zeigt unser aktueller Preview-Bericht.

Überleben auf Schienen

Die Ausgangslage von EverRail erinnert nicht ohne Grund an den Serienableger von Snowpiercer: Eine lebensfeindliche Eiswelt, ein Zug als letzte Zuflucht und eine kleine Gemeinschaft, die ums Überleben kämpft. Ganz so dystopisch wie die bekannte Vorlage präsentiert sich das Spiel allerdings nicht. Statt einer gesellschaftskritischen Geschichte steht bei EverRail vielmehr das unmittelbare Überleben im Mittelpunkt.

Den Spieler verschlägt es auf den gefrorenen Exomond Inara, der von den Menschen einst kolonisiert werden sollte. Automatisierte Maschinen sollten Infrastruktur und Schienen errichten, doch die künstlichen Helfer wurden korrumpiert. Viele Kolonisten befinden sich weiterhin in Stasiskapseln und warten darauf, gerettet zu werden. Genau hier beginnt unsere Aufgabe: Wir erkunden die verlassene Welt, befreien Überlebende und versuchen gleichzeitig, unseren Zug am Laufen zu halten.

Besonders interessant ist dabei das ungewöhnliche Leben-System. Stirbt die aktuelle Spielfigur, ist das Abenteuer nicht automatisch vorbei. Stattdessen übernimmt ein anderer geretteter Passagier die Rolle. Die Anzahl der Menschen an Bord entspricht damit unserem tatsächlichen Vorrat an Leben. Jeder Verlust schmerzt deshalb doppelt: Nicht nur der aktuelle Charakter ist weg, auch unsere langfristige Überlebensreserve schrumpft.

Die Geschichte selbst wirkt in der derzeitigen Fassung allerdings eher wie ein Rahmen für die Survival-Mechaniken. Das ist für ein Early-Access-Spiel nicht ungewöhnlich, lässt aber noch Raum für eine deutlich stärkere narrative Ausgestaltung.

Grafik und Sound – Eisige Atmosphäre mit kleinen Schönheitsfehlern

Optisch setzt EverRail auf eine kühle, fast sterile Science-Fiction-Ästhetik. Die endlosen Schneeflächen, verlassene Einrichtungen, zerstörte Anlagen und technischen Überreste erzeugen eine glaubwürdige Atmosphäre. Gerade die Kombination aus strahlend weißer Landschaft und den dunklen, industriellen Elementen des Zuges funktioniert gut.

Die prozedural erzeugte Welt sorgt zusätzlich dafür, dass sich die Umgebung nicht nach einem klassischen Levelaufbau anfühlt. Stattdessen entstehen neue Routen, Orte und Gefahren für jede Spielrunde. Dadurch bleibt die Reise unberechenbar, auch wenn die visuelle Abwechslung in der aktuellen Version noch nicht ganz mit der spielerischen Vielfalt mithalten kann.

Survival trifft auf Zugmanagement

Das Herzstück von EverRail ist die Verbindung mehrerer Gameplay-Systeme. Der Zug ist gleichzeitig Fortbewegungsmittel, Basis, Lager, Produktionsstätte und Lebensversicherung. Dabei entsteht eine interessante Abhängigkeit: Die Batterie lädt sich während der Fahrt auf und entlädt sich, sobald der Zug steht. Lange Expeditionen sind deshalb immer ein Wettlauf gegen die Zeit.

Wer einen interessanten Ort entdeckt, muss also abwägen. Lohnt sich die Suche nach weiteren Ressourcen? Gibt es dort vielleicht Überlebende? Oder sollte man besser schnell zum Zug zurückkehren, bevor die Energiereserven zur Neige gehen? Genau aus solchen Entscheidungen bezieht EverRail einen großen Teil seiner Spannung.

Die Erkundung findet dabei auf mehreren Ebenen statt. Zu Fuß untersuchen wir verlassene Gebäude und kämpfen gegen feindliche Maschinen. Mit einem Gleiter können wir die Umgebung aus der Luft auskundschaften und Ressourcen sammeln. Zusätzlich helfen Scan-Drohnen dabei, Gefahren und interessante Punkte frühzeitig zu erkennen.

Auch das Fahren selbst ist kein reiner Transportmechanismus. Geschwindigkeit, Bremsen, Streckenwahl und weitere Funktionen müssen aktiv berücksichtigt werden. Das sorgt für eine ungewöhnlich hohe Aufmerksamkeit, kann im Alleingang aber auch schnell stressig werden. Gerade weil viele Aktionen manuell erledigt werden müssen, fehlt es an einigen Stellen noch an Komfortfunktionen. Weichen müssen demnach selbst gestellt werden und auch auf die Geschwindigkeit muss einer stets ein Auge haben. Passiert dies nicht kann der Zug sogar entgleisen, oder wir fahren einen falschen Weg entlang.

Crafting-System vs. Loot – Sammeln, verwerten, verbessern

Wer Survival-Spiele kennt, wird sich im Crafting-System von EverRail schnell zurechtfinden. Rohstoffe werden gesammelt, verarbeitet und anschließend in neue Werkzeuge, Waffen, Ausrüstung oder Erweiterungen für den Zug investiert. Der Zug selbst lässt sich kontinuierlich ausbauen und mit zusätzlichen Waggons erweitern. Dadurch entsteht nach und nach eine mobile Festung, die immer besser auf die Herausforderungen der Welt vorbereitet ist.

Interessant ist die Verzahmung mit dem Loot-System. Gefundene Gegenstände sind nicht einfach dauerhafte Belohnungen, sondern Teil eines Kreislaufs. Ausrüstung kann beschädigt werden und Ressourcen sind knapp. Dadurch lohnt es sich, auch scheinbar unspektakuläre Gegenstände mitzunehmen und weiterzuverarbeiten.

Das führt zu einer Mischung aus Loot-Shooter und Survival-Game. Wir sammeln, was wir finden können, bringen es zurück zum Zug und verwandeln die Beute in bessere Ausrüstung oder neue Infrastruktur. Gleichzeitig besteht immer das Risiko, die gesamte Ausbeute auf einer Expedition zu verlieren. Wer zu gierig wird, kann am Ende mit leeren Händen dastehen.

Gerade dieser Kreislauf gefällt bereits gut, auch wenn das Balancing noch nicht endgültig wirkt. Die Entwickler betonen selbst, dass Umfang, Schwierigkeit und verschiedene Systeme während des Early Access weiterentwickelt werden sollen.

Mehrspielerpart und Langzeitspielspaß – Gemeinsam fährt es sich besser

Seine vielleicht größte Stärke entwickelt EverRail im Mehrspieler-Modus. Bis zu vier Spieler können gemeinsam die gefrorene Welt erkunden und sich die Aufgaben an Bord aufteilen. Einer kümmert sich um den Zug, während andere Ressourcen sammeln, Gegner bekämpfen oder den Gleiter zur Aufklärung einsetzen. Dadurch entsteht eine natürliche Arbeitsteilung, die das Spiel deutlich angenehmer macht.

Gerade bei Expeditionen zeigt sich, warum Kooperation sinnvoll ist. Während ein Spieler die Umgebung absucht, können andere den Rückweg absichern oder sich um Ressourcen und Gegner kümmern. Was allein schnell nach Überforderung aussieht, wird mit mehreren Personen zu einer spannenden Teamaufgabe.

Der prozedural erzeugte Aufbau liefert zudem einen wichtigen Baustein für den Langzeitspielspaß. Neue Routen, Orte, Gegner und Ressourcen sorgen dafür, dass nicht jede Reise identisch abläuft. Dazu kommt der Ausbau des Zuges, neue Technologien und die Suche nach weiteren Überlebenden.

Allerdings sollte man bedenken, dass EverRail aktuell noch Early Access ist. Der Entwickler plant mindestens zwölf Monate Entwicklungszeit und möchte unter anderem neue Gebiete, mehr Nebenaufgaben, zusätzliche Ausrüstung, eine tiefere Hintergrundgeschichte sowie weitere Survival- und Kampfsysteme ergänzen. Auch ein richtiges Endgame befindet sich noch in Arbeit.

Fazit – Viel Potenzial, aber noch nicht am Ziel

EverRail besitzt eine bemerkenswert eigenständige Grundidee. Die Kombination aus Zugmanagement, Survival, Crafting, Loot und Erkundung funktioniert bereits erstaunlich gut. Besonders die Batterie-Mechanik verleiht jeder Expedition eine permanente Grundspannung, während das ungewöhnliche Leben-System dafür sorgt, dass gefallene Charaktere tatsächlich Konsequenzen haben.

Gleichzeitig merkt man dem Spiel an, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Einige Abläufe wirken unnötig umständlich, das Balancing kann insbesondere für Einzelspieler noch besser abgestimmt werden und auch die Welt könnte langfristig mehr Abwechslung vertragen. Genau hier ist der Early-Access-Status entscheidend: Die Entwickler kündigen ausdrücklich weitere Inhalte, Verbesserungen und Anpassungen an.

Wer Survival-Spiele mit Freunden mag und keine Scheu vor einem Spiel hat, das noch aktiv weiterentwickelt wird, sollte EverRail definitiv im Auge behalten. Für Solospieler könnte der Einstieg dagegen deutlich härter ausfallen. Das Grundgerüst stimmt jedoch: Der Zug fühlt sich nicht wie ein simples Fortbewegungsmittel an, sondern wie das Herz des gesamten Spiels. Und genau diese Idee könnte EverRail langfristig von der Konkurrenz abheben.