In Chop Chop Inc. werden wir mehr oder weniger in die Selbstständigkeit als Holzunternehmer bzw. Schreiner gezwungen. Wie sich die Mischung aus First-Person, Open World, Wirtschaftssimulation, Crafting und Erkundung anfühlt haben wir für euch herausgefunden. Wenn ihr wissen wollt, ob sich ein Blick lohnt, dann solltet ihr den Testbericht nicht verpassen!
Vom gefeierten Mitarbeiter zum Holzunternehmer
Die Geschichte von Chop Chop Inc. nimmt sich selbst glücklicherweise nicht allzu ernst. Zu Beginn steht nämlich keine epische Weltrettung und auch keine komplizierte Vorgeschichte, sondern eine Kündigung vor unseren 10jährigen Unternehmensjubiläum. Unser Charakter verliert seinen Arbeitsplatz beim Unternehmen Furnox Corp. und steht anschließend praktisch mit leeren Händen da.
Die Art des Rauswurfs hätte auch nicht besser humoristisch inszeniert werden können. Denn unser Schreibtisch wird in die Decke gefahren und wir aus dem Büro auf eine andere Insel katapultiert. Das dieser humoristische Weg uns noch länger begleiten wird war uns seit dieser Minute deutlich klar.
Viel mehr als eine Axt und einige Bäume bleiben zunächst nicht übrig. Ausgerechnet diese berufliche Katastrophe wird zum Startschuss für den eigenen Aufstieg.
Die grundlegende Idee ist schnell verstanden: Statt sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen, wird kurzerhand selbst ein Unternehmen gegründet. Aus gefällten Bäumen entstehen zunächst Rohstoffe, daraus wiederum Bretter und später Möbel.
Die produzierten Waren werden verkauft, das verdiente Geld fließt in bessere Werkzeuge, Maschinen und weitere Produktionsmöglichkeiten. Damit erzählt das Spiel seine Geschichte weniger über lange Zwischensequenzen als über den persönlichen Fortschritt des Spielers.
Dabei setzt Chop Chop Inc. konsequent auf Humor. Die Welt ist bewusst überzeichnet und begegnet dem Spieler mit ungewöhnlichen Charakteren, absurden Situationen und Gegenständen, die man vermutlich nicht unbedingt aus Holz herstellen müsste. Selbst merkwürdige Baumarten gehören zum Konzept. Im späteren Spielverlauf warten unter anderem Bäume aus ungewöhnlichen Materialien wie Stein, Metall oder elektrisch anmutenden Ressourcen auf den Spieler.
Die Story ist deshalb weniger der große Antrieb des Spiels, sondern vielmehr der Rahmen für die wirtschaftliche Entwicklung. Wer eine tiefgründige Handlung mit komplexen Charakteren und zahlreichen Wendungen erwartet, dürfte enttäuscht sein. Wer dagegen eine lockere Geschichte sucht, die den Fortschritt angenehm begleitet und immer wieder für ein Schmunzeln sorgt, bekommt genau das richtige Maß.

Vom Holzklotz zum Möbelproduktion
Das Herzstück von Chop Chop Inc. ist eindeutig das Gameplay. Der Einstieg fällt angenehm leicht: Axt nehmen, Bäume fällen, Holz einsammeln und daraus die ersten Produkte herstellen. Was anfangs nach ziemlich monotoner Handarbeit aussieht, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem kleinen Wirtschaftssystem. Aus einzelnen Arbeitsschritten entsteht nach und nach eine Produktionskette, die immer stärker automatisiert werden kann.
Genau darin liegt eine der größten Stärken des Spiels. Zunächst erledigt der Spieler fast alles selbst. Mit wachsendem Unternehmen kommen jedoch Maschinen, bessere Werkzeuge und weitere Möglichkeiten hinzu. Rohstoffe müssen verarbeitet, Möbel hergestellt und anschließend verkauft beziehungsweise ausgeliefert werden. Dadurch entsteht ein angenehmer Kreislauf aus Sammeln, Produzieren, Verkaufen und Investieren. Das Prinzip ist nicht revolutionär, funktioniert aber erstaunlich gut, weil der Fortschritt jederzeit sichtbar bleibt.
Interessant ist außerdem, dass nicht ausschließlich Holz verarbeitet wird. Bestimmte Komponenten können auch gekauft und anschließend für Produktionen oder Verbesserungen verwendet werden. Gleichzeitig lassen sich neue Baupläne freischalten und Möbel mit unterschiedlichen Materialien herstellen. Wer gerne Produktionsketten optimiert, findet deshalb genügend Möglichkeiten, seine Abläufe effizienter zu gestalten.
Auch der eigene Charakter entwickelt sich weiter. Kraft und Ausdauer spielen eine Rolle und können verbessert werden. Zusätzlich gibt es beispielsweise Möglichkeiten, über sportliche Aktivitäten die eigenen Werte zu beeinflussen. Selbst Kochen ist Bestandteil des Spiels und kann genutzt werden, um entsprechende Boni zu erhalten. Diese zusätzlichen Systeme sorgen dafür, dass Chop Chop Inc. nicht ausschließlich aus Bäume-Fällen und Möbel-Verkaufen besteht.
Allerdings hat das Gameplay auch seine Grenzen. Wer ähnliche Wirtschaftssimulationen kennt, wird viele Mechaniken schnell wiedererkennen. Sammeln, verarbeiten, verkaufen und anschließend investieren ist ein bewährtes Prinzip. Die besondere Atmosphäre und der Humor geben dem Ganzen zwar einen eigenen Charakter, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich manche Abläufe mit zunehmender Spieldauer wiederholen.
Vom spielerischen Umfang ist nur unser Inventar etwas negativ in Erinnerung geblieben. Denn wir werden zwar als Sammler durch die weiten der Welt stapfen können, haben aber gefühlt einen schier unendlichen Rucksack mit dabei. Ganze Wälder können wir klein hacken und haben dennoch weiterhin Platz in unserem Rucksack für weitere Güter.
Zum einen kann das von Vorteil sein, so dass man sich dadurch unnötige Gänge zum heimischen Lager erspart. Zum anderen nimmt man dem Spieler aber auch ein elementaren Bestandteil von vielen Crafting-Spielen.

Mehr Freiheit, als tatsächlich vorhanden ist?
Auf den ersten Blick vermittelt Chop Chop Inc. den Eindruck einer kleinen offenen Welt. Es gibt unterschiedliche Gebiete zu entdecken, Ressourcen zu sammeln, Charaktere zu treffen und Geheimnisse aufzuspüren. Auch neue Bereiche werden im Verlauf des Spiels freigeschaltet. Die Spielwelt wirkt dadurch zunächst deutlich freier, als es ein klassischer, streng linearer Aufbau vermuten lässt.
Beim Aufbau des eigenen Unternehmens zeigt sich allerdings schnell, dass die Freiheit Grenzen hat. Gerade der Basisbau ist deutlich linearer, als die Präsentation der Spielwelt zunächst vermuten lässt. Gebäude und wichtige Einrichtungen können nicht beliebig auf dem eigenen Grundstück platziert werden. Die vorgesehenen Bauplätze sind fest definiert. Wer beispielsweise gehofft hat, seine Fabrik komplett nach eigenen Vorstellungen aufzubauen, Produktionshallen frei zu positionieren oder eine individuelle Möbelmanufaktur zu gestalten, wird hier ausgebremst.
Das ist ein wichtiger Punkt, denn gerade bei einem Spiel, das sich um den Aufbau eines eigenen Unternehmens dreht, erwartet man intuitiv etwas mehr gestalterische Freiheit. Der Spieler verbessert zwar seine Produktionsmöglichkeiten und erweitert sein Unternehmen Schritt für Schritt, gestaltet die eigentliche Struktur der Basis aber nicht vollständig selbst.
Das muss nicht grundsätzlich schlecht sein. Durch die festen Positionen bleibt das Spiel übersichtlich und die Entwicklung lässt sich kontrolliert steuern. Gleichzeitig nimmt es dem Aufbau aber einen Teil der Kreativität, die man aus anderen Aufbau- und Wirtschaftsspielen kennt. Chop Chop Inc. ist daher eher eine geführte Unternehmenssimulation mit Erkundungsanteilen als eine echte Open-World-Aufbausimulation. Erinnert quasi sogar etwas an Mobile-Games, wo man als Spieler stets Ressourcen sammelt und vorgefertigte Gebäude an definierte Orte platziert.
Abseits der eigenen Basis gibt es dennoch einiges zu entdecken. Die Welt ist handgebaut und mit verschiedenen Figuren, Ressourcen, kleinen Geheimnissen und ungewöhnlichen Objekten ausgestattet. Auch die Charaktere können angesprochen und teilweise in die eigenen Produktionsabläufe eingebunden werden. Dadurch entsteht zumindest außerhalb der Basis ein gewisses Gefühl von Entdeckung und Freiheit.

Sound & Grafik – Charmant statt fotorealistisch
Optisch verfolgt Chop Chop Inc. keinen realistischen Ansatz. Die Spielwelt ist bewusst bunt, stilisiert und teilweise etwas überdreht gestaltet. Das passt hervorragend zum humorvollen Grundton. Charaktere, Gebäude, Maschinen und Ressourcen wirken weniger wie eine realistische Wirtschaftssimulation und mehr wie eine spielerische Interpretation eines verrückten Holzunternehmens.
Besonders die ungewöhnlichen Ressourcen und Objekte sorgen dabei immer wieder für kleine Überraschungen. Die Gestaltung unterstützt den Humor, ohne permanent im Vordergrund stehen zu müssen. Wer realistische Holzphysik und fotorealistische Wälder erwartet, ist hier allerdings falsch.
Auch beim Sound steht die Atmosphäre über audiovisueller Hochglanzproduktion. Geräusche beim Arbeiten, Maschinen und die verschiedenen Umgebungsgeräusche unterstützen das Spielgefühl und machen die Produktionsabläufe nachvollziehbarer. Die musikalische und akustische Untermalung bleibt dabei angenehm im Hintergrund, sodass sie nicht von den eigentlichen Aufgaben ablenkt.

Fazit – Ein ungewöhnlicher Mix mit kleinen Grenzen
Chop Chop Inc. ist eines dieser Spiele, deren Konzept zunächst etwas skurril klingt, sich beim Spielen aber erstaunlich schnell erschließt. Die Kombination aus Holzfällen, Ressourcenmanagement, Möbelproduktion, Automatisierung und Wirtschaft funktioniert. Besonders motivierend ist der stetige Fortschritt: Aus einem Spieler mit einer einfachen Axt wird nach und nach ein Unternehmer mit Maschinen, Produktionsketten und einem wachsenden Sortiment.
Die humorvolle Präsentation ist dabei ein großer Pluspunkt. Das Spiel nimmt seine eigene Idee nicht übermäßig ernst und schafft dadurch eine angenehme, entspannte Atmosphäre. Auch die Erkundung der Welt, ungewöhnliche Charaktere, verschiedene Ressourcen und zusätzliche Systeme wie Kochen oder Charakterverbesserungen sorgen für Abwechslung.
Seine größte Schwäche zeigt Chop Chop Inc. allerdings beim Thema Freiheit. Die Welt sieht offener aus, als sie tatsächlich ist. Vor allem beim Aufbau der eigenen Basis wird der Spieler stark geführt. Gebäude können nicht dort errichtet werden, wo man sie gerne hätte, sondern müssen auf den vorgesehenen Positionen platziert werden. Wer unter einem Unternehmensaufbau vor allem kreatives Bauen versteht, sollte diese Einschränkung unbedingt berücksichtigen.
Auch das grundlegende Spielprinzip bleibt über längere Zeit vergleichsweise einfach. Wer Freude daran hat, Produktionsketten zu optimieren und immer wieder die nächste Verbesserung freizuschalten, dürfte damit viel Spaß haben. Spieler, die dagegen ständig neue Mechaniken oder eine besonders tiefgehende Wirtschaftssimulation erwarten, könnten sich irgendwann unterfordert fühlen.
Unterm Strich ist Chop Chop Inc. ein sympathisches und ungewöhnliches Simulationsspiel, das vor allem durch seinen Humor und die angenehm zugängliche Produktionsmechanik punktet. Es ist keine revolutionäre Wirtschaftssimulation und auch keine echte Open World mit grenzenloser Gestaltungsfreiheit. Dafür bietet das Spiel einen charmanten Mix, der gerade für Spieler interessant sein dürfte, die entspannte Aufbau- und Crafting-Spiele mögen. Wer genau diese Mischung sucht, kann den Kauf durchaus in Betracht ziehen. Wer dagegen maximale kreative Freiheit beim Basisbau erwartet, sollte seine Erwartungen vorher etwas zurückschrauben.


