Hubert

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Ein Hund als Hauptfigur, idyllische Landschaften und jede Menge Abenteuer auf vier Pfoten: Mit Hubert präsentiert das tschechische Entwicklerstudio und Publisher Brocap Studio ein ungewöhnliches Abenteuer, das uns die Welt aus der Perspektive eines Vierbeiners erleben lässt. Zwischen Fährtensuche, kleinen Aufgaben und überraschend düsteren Momenten versucht das Spiel, Herz, Humor und Spannung miteinander zu verbinden. Ob das gelingt und wo sich zwischen niedlichem Hundeblick und Wolfsalbträumen die Schwächen verstecken, erfahrt ihr in unserem nachfolgenden Testbericht.

Storyline – Ein Hundeleben zwischen Idylle und Albtraum

Was gibt es Schöneres, als den Tag mit seinem Lieblingsmenschen zu verbringen, durch die Natur zu streifen und sich zwischendurch mit einem Stöckchen bespaßen zu lassen?

Richtig, vermutlich ein Napf voller Leckerlis. Für Hubert, den tierischen Protagonisten des gleichnamigen Spiels, scheint das Leben zunächst genau diese angenehme Mischung bereitzuhalten. Wir schlüpfen in die Rolle eines Hundes, der eng mit seinem Frauchen verbunden ist und gemeinsam mit ihr die Welt erkundet. Dabei steht nicht die Rettung des Universums im Mittelpunkt, sondern etwas deutlich Bodenständigeres: die Beziehung zwischen Mensch und Tier sowie die kleinen und großen Herausforderungen des Alltags.

Die Geschichte nimmt sich Zeit, diese Verbindung zu vermitteln. Statt uns mit permanenten Dialogen oder dramatischen Zwischensequenzen zu überschütten, lässt uns das Abenteuer immer wieder durch gemeinsame Erlebnisse an der Beziehung teilhaben. Gerade diese ruhigen Momente passen gut zur Perspektive eines Hundes. Schließlich dürfte Hubert wenig Interesse daran haben, sich mit politischen Intrigen, komplizierten Familienverhältnissen oder der Frage auseinanderzusetzen, wer im Königreich den Thron besteigen darf. Wenn überhaupt, wäre der Thron vermutlich ein gemütlicher Sessel.

Allerdings bleibt es nicht bei der heilen Welt. Wiederkehrende Begegnungen mit Wölfen und düstere Traumsequenzen bringen eine deutlich ernstere Note ins Geschehen. Plötzlich wirkt die zuvor friedliche Umgebung bedrohlich, und man fragt sich, was in Huberts Kopf eigentlich vorgeht. Hat der Vierbeiner mit Ängsten zu kämpfen? Verarbeitet er Erlebnisse? Oder möchte uns das Spiel auf eine tiefere Ebene seiner Persönlichkeit mitnehmen?

Ansätze für eine emotionale Geschichte sind durchaus vorhanden. Doch gerade die Albtraumsequenzen werfen Fragen auf, die nicht immer zufriedenstellend beantwortet werden. Die Idee, ein Hundeleben nicht ausschließlich durch die rosarote Brille zu betrachten, ist interessant. Die Verbindung zwischen den gemütlichen Alltagserlebnissen und den düsteren Einschüben hätte allerdings etwas mehr Feinschliff vertragen können.

Gameplay – Auf Spurensuche mit empfindlicher Hundenase

Spielerisch präsentiert sich Hubert als Abenteuer aus der Third-Person-Perspektive, bei dem Erkundung und Interaktion im Vordergrund stehen. Wir laufen durch die Umgebung, untersuchen interessante Stellen, folgen Spuren und erledigen die Aufgaben, die uns im Verlauf der Geschichte begegnen. Das Spiel versucht dabei, die besonderen Fähigkeiten eines Hundes in den Mittelpunkt zu stellen. Statt einfach nur Gegenstände einzusammeln und Schalter zu betätigen, sollen wir die Welt mit den Sinnen unseres tierischen Helden wahrnehmen.

Besonders wichtig ist dabei die Fährtensuche. Sie hilft uns, Hinweise aufzuspüren und bestimmte Ziele ausfindig zu machen. Grundsätzlich ist das eine passende Mechanik, denn was wäre ein Hundespiel ohne eine ordentliche Portion Schnüffelei? Leider hat die Sache einen kleinen Haken: Sobald wir in diesen Suchmodus wechseln, meldet sich Hubert akustisch mit einem ausgesprochen präsenten Schnüffelgeräusch zu Wort. Und zwar nicht unbedingt so dezent, wie man es sich wünschen würde.

Was anfangs noch charmant wirkt, entwickelt sich bei längeren Suchpassagen schnell zum akustischen Begleiter, den man am liebsten mit einem virtuellen Kauknochen ablenken würde. Das Geräusch ist schlicht nervig, besonders wenn man längere Zeit auf der Suche nach einem Hinweis ist. Ausgerechnet die Mechanik, die für Atmosphäre sorgen soll, kann dadurch auf die Nerven gehen. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen.

Abseits davon funktioniert die grundlegende Steuerung ordentlich. Hubert bewegt sich durch die Welt, erkundet seine Umgebung und nutzt seine Fähigkeiten, um Hindernisse zu überwinden oder Hinweise zu finden. Das Tempo ist eher gemütlich, was gut zum Charakter des Spiels passt. Wer hektische Kämpfe, komplexe Kombos oder eine riesige Auswahl an Fähigkeiten erwartet, ist hier allerdings falsch. Hubert möchte uns eher zum Beobachten und Entdecken animieren. Das funktioniert in ruhigen Abschnitten durchaus gut, verliert aber an Reiz, wenn sich die Abläufe zu häufig wiederholen.

Aufgaben und Quests – Der Hund bekommt seine Aufträge serviert

Wer jetzt eine riesige Open World erwartet, in der wir nach Lust und Laune Aufträge annehmen, geheime Orte entdecken und uns stundenlang in Nebenbeschäftigungen verlieren können, sollte seine Erwartungen etwas zurückschrauben. Hubert ist ein lineares Abenteuer. Die Geschichte gibt vor, wohin die Reise geht und welche Aufgaben als Nächstes anstehen. Wir erhalten unsere Aufträge und können anschließend die jeweilige Umgebung erkunden, um das gewünschte Ziel zu erreichen.

Das ist nicht grundsätzlich schlecht. Die klare Struktur sorgt dafür, dass wir uns auf die jeweilige Situation konzentrieren können, anstatt auf einer riesigen Karte nach dem nächsten Fragezeichen zu suchen. Gerade für ein Spiel, das eine überschaubare Geschichte erzählen möchte, kann dieser Ansatz sinnvoll sein. Allerdings geht damit auch ein gewisser Verlust an Freiheit einher. Wer gerne selbst entscheidet, welche Quest als Nächstes auf dem Programm steht, wird hier nur bedingt glücklich.

Die eigentliche Herausforderung steckt häufig in der Suche nach bestimmten Dingen oder Hinweisen. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad können einzelne Areale durchaus knifflig werden. Was auf den ersten Blick wie ein gemütlicher Spaziergang durch die Landschaft aussieht, entwickelt sich dann zu einer kleinen Detektivarbeit auf vier Pfoten. Wir laufen Wege ab, überprüfen unsere Umgebung und fragen uns gelegentlich, ob der gesuchte Gegenstand tatsächlich irgendwo versteckt liegt oder ob Hubert einfach beschlossen hat, heute nicht besonders aufmerksam zu sein.

Gerade bei solchen Passagen zeigt sich die Stärke und zugleich die Schwäche des Spielprinzips. Wer aufmerksam erkundet, wird belohnt. Wer hingegen möglichst schnell von einem Ziel zum nächsten möchte, kann sich an manchen Suchabschnitten aufhalten. Das sorgt für zusätzliche Spielzeit, ist aber nicht immer gleichbedeutend mit echtem Spielspaß. Ein etwas deutlicheres Feedback oder abwechslungsreichere Suchmechaniken hätten einigen Aufgaben gutgetan.

Umfang und Abwechslung – Stöckchen, Schleichen und Schweigepflicht

Bei einem Abenteuer mit einem Hund als Hauptfigur liegt die Vermutung nahe, dass wir nicht ausschließlich Spuren verfolgen und Gegenstände suchen werden. Tatsächlich bemüht sich Hubert, verschiedene Aktivitäten miteinander zu kombinieren. Neben den eigentlichen Aufgaben gibt es kleinere Interaktionen mit seinem Frauchen. Dazu gehört beispielsweise das gemeinsame Stöckchen werfen. Einen spielerischen Mehrwert im klassischen Sinne bieten diese Momente kaum, doch sie sind niedlich und unterstreichen die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Manchmal braucht es eben keine Erfahrungspunkte, keine Belohnungstruhe und keinen Skilltree. Manchmal reicht ein Hund, der glücklich seinem Stöckchen hinterherläuft.

Daneben müssen wir Gegenstände transportieren, unsere Umgebung absuchen und uns durch Abschnitte bewegen, in denen Vorsicht gefragt ist. Gerade die Schleichpassagen bringen etwas Abwechslung ins Geschehen. Hier ist es wichtig, aufmerksam vorzugehen und nicht einfach unüberlegt durch die Gegend zu spazieren. Wer entdeckt wird, merkt schnell, dass Hubert nicht in jeder Situation mit seinem niedlichen Gesicht davonkommt.

Eine besonders kuriose Besonderheit betrifft dabei das Mikrofon. Wer während solcher Abschnitte ein eingeschaltetes Mikrofon verwendet, laut spricht oder hörbar atmet, kann unter Umständen entdeckt werden. Wer also beim Spielen gerne mit Freunden quatscht, sollte aufpassen. Während andere Spiele höchstens die Mitspieler mit lautem Atmen nerven, kann das hier direkt spielerische Konsequenzen haben. Plötzlich wird aus dem entspannten Gaming-Abend eine Übung in kontrollierter Atmung. Selbst ein spontanes „Oh, da ist ja was!“ könnte zur denkbar ungünstigen Zeit kommen.

Das ist eine ungewöhnliche Idee, die durchaus für Überraschungen sorgen kann. Gleichzeitig dürfte sie nicht jedem gefallen, insbesondere wenn man beim Spielen nicht ständig auf die eigene Geräuschkulisse achten möchte. Wer sich auf diese Mechanik einlässt, bekommt jedoch eine zusätzliche Herausforderung, die sich von den üblichen Schleichpassagen anderer Abenteuer unterscheidet.

Trotz dieser unterschiedlichen Aktivitäten bleibt die Abwechslung insgesamt begrenzt. Die einzelnen Mechaniken sind für sich genommen brauchbar, werden aber über die Spielzeit hinweg nicht immer ausreichend weiterentwickelt. Mit einer Spielzeit von ungefähr vier Stunden ist das Abenteuer ohnehin relativ kurz. Das wäre weniger problematisch, wenn jede Spielstunde neue Ideen präsentieren würde. Stattdessen stellt sich gegen Ende zunehmend das Gefühl ein, bestimmte Abläufe bereits mehrfach erlebt zu haben. Ein paar zusätzliche Mechaniken oder überraschendere Aufgaben hätten Hubert gutgetan.

Sound und Grafik – Hübsche Natur mit gelegentlichem Albtraumcharakter

Optisch setzt Hubert auf eine natürliche, freundliche Umgebung, die zum entspannten Erkundungserlebnis passt. Wälder, Wege und offene Landschaften bilden die Kulisse für unsere Reise. Die Perspektive auf Hundehöhe verleiht der Umgebung einen eigenen Charakter: Dinge, die für uns Menschen selbstverständlich sind, wirken aus der Sicht eines Vierbeiners plötzlich interessanter. Ein Busch ist nicht einfach nur ein Busch, sondern möglicherweise ein Ort voller spannender Gerüche. Ein Weg ist nicht bloß ein Weg, sondern eine Einladung, sich neugierig weiterzuschnüffeln.

Grafisch sollte man allerdings keine technischen Maßstäbe erwarten, die mit großen Produktionen konkurrieren. Die Präsentation erfüllt ihren Zweck und transportiert die gewünschte Atmosphäre, könnte an manchen Stellen aber detaillierter und abwechslungsreicher ausfallen. Vor allem wer Wert auf besonders realistische Animationen, spektakuläre Lichteffekte oder aufwendig gestaltete Umgebungen legt, wird hier keine grafische Offenbarung erleben. Der Charme entsteht eher durch die Grundidee und die Perspektive als durch technische Brillanz.

Beim Sound hinterlässt das Spiel einen gemischten Eindruck. Die Geräuschkulisse unterstützt die Naturatmosphäre und trägt dazu bei, dass sich die Erkundung angenehm anfühlt. Gleichzeitig fallen einzelne Soundeffekte negativ auf. Allen voran das bereits erwähnte Schnüffeln bei der Fährtensuche, das sich mit zunehmender Dauer vom charmanten Hundegeräusch zum akustischen Dauergast entwickelt. Auch der Wechsel zwischen den ruhigen Alltagssituationen und den düsteren Wolfssequenzen fällt deutlich aus. Das erzeugt zwar Spannung, lässt die Atmosphäre aber gelegentlich etwas unausgewogen wirken.

Fazit – Ein guter Junge, dem noch etwas Beschäftigung fehlt

Hubert ist ein Abenteuer, das mit einer sympathischen Grundidee punktet und uns eine ungewöhnliche Perspektive auf die Spielwelt ermöglicht. Die Rolle eines Hundes zu übernehmen, gemeinsam mit seinem Frauchen kleine Abenteuer zu erleben und durch die Natur zu streifen, besitzt durchaus Charme. Einige Aufgaben sorgen für Schmunzler, die kleinen Interaktionen wirken liebevoll und die Idee, neben den gemütlichen Momenten auch dunklere Seiten der Geschichte zu beleuchten, bietet interessante Ansätze.

Allerdings reicht eine niedliche Hauptfigur allein nicht aus, um ein Spiel dauerhaft spannend zu halten. Die Suchmechaniken können frustrieren, der Schnüffelsound strapaziert mitunter die Nerven und die Schleichpassagen mit Mikrofonerkennung verlangen eine ungewohnte Form der Aufmerksamkeit. Hinzu kommt, dass sich die Aufgaben nach einiger Zeit wiederholen und die Spielzeit von rund vier Stunden recht überschaubar ausfällt. Kurz bedeutet zwar nicht automatisch schlecht, doch bei Hubert hätte etwas mehr spielerische Vielfalt den Gesamteindruck deutlich aufgewertet.
Auch die düsteren Traumsequenzen mit den Wölfen hinterlassen gemischte Gefühle. Sie bringen eine interessante, beinahe melancholische Note ins Abenteuer, passen aber nicht immer überzeugend zum ansonsten recht gemütlichen Hundeleben. Warum Hubert nachts mit solchen Problemen kämpft, während er tagsüber durch die Landschaft spaziert und mit seinem Frauchen Zeit verbringt, hätte das Spiel nachvollziehbarer herausarbeiten können. Hier bleibt Potenzial ungenutzt.

Grafisch darf man ebenfalls keine Wunder erwarten. Die Umgebung erfüllt ihren Zweck, könnte aber stellenweise mehr Details und Abwechslung vertragen. Der größere Kritikpunkt ist allerdings der begrenzte Umfang in Verbindung mit dem sich wiederholenden Gameplay. Zusätzliche Aktivitäten, neue Herausforderungen oder weiterentwickelte Spielmechaniken hätten dafür sorgen können, dass wir auch nach dem Abspann noch gerne eine Runde mit Hubert drehen würden.

Unterm Strich ist Hubert ein sympathisches, aber nicht durchgehend überzeugendes Abenteuer. Wer Hunde liebt, gemütliche Erkundungsspiele mag und sich auf eine kurze Reise mit ungewöhnlichen Ideen einlassen möchte, kann durchaus seinen Spaß haben. Wer dagegen umfangreiche Spielwelten, abwechslungsreiche Quests und langfristige Motivation sucht, dürfte schneller wieder auf der Suche nach einem neuen Spiel sein als Hubert nach seinem nächsten Stöckchen.

Am Ende bleibt ein Spiel mit Herz, Humor und einigen interessanten Einfällen, dem es jedoch an spielerischer Tiefe und Abwechslung fehlt. Hubert ist zweifellos ein guter Junge – aber als Videospiel hat er noch ein paar Lektionen vor sich.

Good

  • Sympathischer Hund als ungewöhnlicher und liebenswerter Hauptcharakter
  • Niedliche Interaktionen zwischen Hubert und seinem Frauchen
  • Interessante Fährtensuche als thematisch passende Spielmechanik
  • Humorvolle Momente lockern das Abenteuer angenehm auf
  • Düstere Traumsequenzen sorgen für atmosphärische Kontraste

Bad

  • Begrenzter Spielumfang von ungefähr vier Stunden
  • Wiederkehrende Aufgaben sorgen zunehmend für spielerische Eintönigkeit
  • Nerviger Schnüffelsound bei der Fährtensuche
  • Grafisch fehlt es stellenweise an Details und Abwechslung
  • Wolfsalbträume wirken erzählerisch nicht immer nachvollziehbar
7.5

Befriedigend