Leisure Suit Larry – Wet Dreams don’t dry

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Good ol’ Larry Laffer, der berühmteste Loser der Videospiel-Geschichte, ist zurück und bereit seinen Platz im 21. Jahrhundert zu finden. Wir haben den ewigen Junggesellen begleitet und sagen Euch, wie er sich in unserer heutigen Gesellschaft so schlägt.

Immer auf der Suche nach der großen Liebe

Gemeinsam mit Grafikerkollege Mark Crowe (später eine Hälfte der „Two Guys from Andromeda“) erschuf Al Lowe 1986 für Sierra ein Adventure, das zu seiner Zeit mal kein Sci-Fi oder Fantasy-Spiel war. Die Story und die Rätsel stammen, etwas verändert, aus dem alten Textadventure „Softporn“, das Ken Williams, Gründer von Sierra, früher erfolgreich verlegt hat. Al Lowe erweiterte die Geschichte um den alternden Larry Laffer und erschuf eine interaktive Komödie um einen einsamen Verlierer im Polyesteranzug, immer auf der Suche nach erotischen Abenteuer. Tief in seinem Herzen ist er jedoch auf der Suche nach der großen Liebe.  Larry hat eine etwas verschobene Wahrnehmung von sich selbst, denn er sieht sich als den großen Checker, dem die Frauen reihenweise zu Füßen liegen. Nur leider wird dies nicht passieren. So stapft Larry von einem Fettnäpfchen ins nächste und kann an Peinlichkeiten kaum noch überboten werden.

Wer die Fragen beantworten kann, fühlt sich etwas alt

Vor fünf Jahren brachte Replay Games mit Leisure Suit Larry Reloaded ein Remake des ersten Teils in den Handel, welches jedoch bei den Fans der Serie nicht so wirklich gut ankam. Nun geben Assemble Entertainment und Entwickler Crazy Bunch dem Vorzeigelose in weißem Polyesteranzug eine neue Chance. Mit Wet Dreams don’t dry wollen sie den Geist der alten Spiele wieder aufleben lassen, weshalb der neue Teil auch als geistiger Nachfolger des ersten Teils gesehen werden soll.

Heute scheint die Sonne nur für Larry Laffer

Nach einer durchzechten Nacht wacht Larry in einem stockfinsteren Raum auf und hat keine Ahnung wie er hier hingekommen ist. Was ist bloss passiert? Ist er vielleicht sogar entführt worden? Aber, wer sollte so verrückt sein und diesen Oberloser entführen? Wir entdecken eine Art Aufzug, der uns direkt vor die Tür unserer Lieblingsbar Lefty’s setzt. Also, erstmal rein in die gute Stube und ein Bierchen auf den Schock genehmigen. Zum Glück ist Lefty’s unser Hafen der Geborgenheit. Hier scheint die Zeit stillzustehen und wir werden (fast) so akzeptiert wie wir sind. Doch wer ist die hübsche Brünette in der Ecke? Die haben wir ja noch nie gesehen. Und warum hält sie die ganze Zeit so ein komisches Gerät in die Luft und redet mit sich selbst? Irgendwas ist seltsam hier. Schließlich klärt uns Lefty auf – wir sind auf wundersame Weise im Jahr 2018 gelandet! Kein einfaches Unterfangen für Larry, wie sich schnell herausstellt. In den letzten 30 Jahren hat sich sehr viel geändert – so müssen wir uns als Larry Laffer mit Startken Frauen, dem Internet, Social Media und Dating-Apps rumschlagen. 

Und was für einen Score hast Du auf Timber?

Wer jedoch Larry kennt weiß, dass dies für ihn keine wirklichen Hindernisse sind. Er ist schließlich so von sich selbst eingenommen, wie kein anderer. Er ist immer noch der alte, doch in der Zukunft sind die Damen nicht wirklich beeindruckt von seiner platten Macho-Art. Ok, das waren sie in den Achtziger Jahren auch nicht wirklich. Das hält Larry aber keineswegs davon ab, so viele Frauen wie möglich mit meist billigen Anmachsprüchen anzubaggern. Bis er die bildhübsche Faith kennenlernt. Sie ist die persönliche Assistentin von Bill Jobs, einem Tech-Magnaten, mit dem wir uns ganz unfreiwillig auch noch anlegen. Faith würde mit Larry ausgehen, wenn sein Timber-Score 90 erreicht hat – Herausforderung angenommen.  

Von Hipstern, Influencern und Nerds

Wet Dreams don’t dry läuft in altbekannter Point’n-Click-Manier ab. Wir bewegen uns von Szene zu Szene, sammeln Gegenstände, kombinieren diese und/oder interagieren mit ihnen. Dank Hotspot-Taste werden alle relevanten Objekte auf dem Bildschirm angezeigt, so dass nervige Pixelsuchen wie früher entfallen. Obwohl Assemble Entertainment den Geist der alten Teile wieder aufleben lassen wollte, hat man sich gegen Sackgassen und Game-Over-Screens entschieden – ein Markenzeichen früherer Sierra-Adventures. Die Rätsel sind in der Regel sehr gradlinig und äußerst logisch aufgebaut. Nach knapp acht Stunden ist das kleine Techtelmechtel auch schon wieder vorbei. Ein absoluter Pluspunkt ist die verrückte, teils vollkommen überdrehte Story mit witzigen Dialogen und originellen Ideen. Der Humor ist in alter Larry-Manier immer eindeutig zweideutig und alle bekannten Klischees werden nicht nur bedient, sondern komplett überspitzt dargestellt.

Fazit

Leisure Suit Larry – We Dreams don’t dry ist nicht nur ein Spiel für Nostalgiker, sondern auch für Neueinsteiger. Crazy Bunch hat es geschafft ein Spiel für beide Seiten zu entwickeln. Eingefleischte Larry-Fans finden an jeder Ecke Anspielungen an die alten Teile. Sogar die Altersverifikation wurde übernommen. Wer die Fragen beantworten kann, wird sich schnell bewusst, dass er schon etwas älter ist. Wet Dreams don’t dry ist ein unterhaltsames Adventure, in dem zahlreichen Klischees von heute noch überspitzter dargestellt werden.

Good

  • Nostalgie-Bonus
  • Vollkommen verrückte Story
  • Eindeutig zweideutig

Bad

  • Teilweise fummelige Steuerung
  • Einfache Rätsel
8

Gut

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