ROKH

Sie werden gehasst oder geliebt, Survivalspiele mit der Möglichkeit sich eigene Gebilde zu bauen und seiner  Kreativität freien Lauf zu lassen. Wie etwa Minecraft, einer der erfolgreichsten und beliebtesten Spiele dieser Art und der Grund warum viele Entwickler sich diesem Genre gewidmet haben. Und nun möchte  Darewise Entertainment um die Gunst der Survivalfreunde buhlen mit Rokh, welches im Early Access verfügbar ist. Kann es unter der Masse hervorstechen? Lasst es uns herausfinden.

Aller Anfang ist schwer
Nach einem kleinen, netten Intro, in dem wir der Landung auf dem Mars beiwohnen, kann man sich aus vielen Servern für einen entscheiden um die Kolonialisierung zu beginnen. Bis die Server auftauchen dauert es aber ungefähr drei Minuten. Hat man sich für einen Server entschieden, kann man über ein 10×10 großes, kariertes Raster seinen Landeplatz aussuchen. Allerdings steht nur ein Zehntel davon zur Landung zur Verfügung. Hat man sich seinen Landeplatz ausgewählt, gibt man seiner Spielfigur einen Namen und nach einer Minute kann es auf dem Mars endlich losgehen! In der Nähe des Startplatzes befinden sich immer Einrichtungen der ersten Kolonisten, in der man seine Batterien auflädt, den der Raumanzug braucht um zu funktionieren. Er ist äußerst wichtig, denn er versorgt den eigenen Charakter mit Sauerstoff und der richtigen Temperatur, die standardmäßig auf 20° eingestellt ist. Auch eine Karte ist beinhaltet, auf der die Einrichtungen der Erst-Kolonisten einsehbar sind, so kann man sich seinen Weg im voraus planen.  Es ist auch möglich einen Marker zu setzen, der aussieht als sei er direkt aus Google Maps kopiert. Viel Mühe hat man sich scheinbar nicht damit gegeben, schon das Setzen auf der Karte sorgt für Probleme, da er nicht dort erscheint wo man klickt sondern versetzt, so muss man rumprobieren um den gewünschten Ort zu markieren. In der Welt erscheint der Marker unübersehbar als riesiges Symbol und wirkt wie ein Fremdkörper. Da hätte ich mir etwas modernes gewünscht, immerhin kolonialisiert man den Mars!

Viele Werkzeuge verderben den Spaß?
Da der Raumanzug nicht die komplette Versorgung übernehmen kann, muss man sich auf die Suche begeben um alles Notwendige zu bekommen was der Körper benötigt. Zu finden sind die überlebenswichtigen Ressourcen in Kisten die rund um die Einrichtungen der Erst-Kolonisten zu finden sind. Da sie leuchten, sind die schwer zu übersehen und ist man nah genug dran fordern sie die Aufmerksamkeit des Spielers durch Lärm, so dass man sie auch nicht überhören kann. In ihnen findet man Wasser, Nahrung, Sauerstoff und Pillen, die die Strahlung mindern sowie davor eine zeitlang schützen. In anders aussehenden Kisten wiederum findet man Baumaterialien, Schraubenzieher und Gegenstände, die dir helfen deine ersten Werkzeuge zu basteln. So ist man in der Lage sich etwa eine Spitzhacke zu basteln, die zum Abbauen von Rohstoffen gebraucht wird, ein Schraubenschlüssel zum Reparieren und einen Hammer für mehr Bauoptionen. Und so baut man Werkzeug über Werkzeug um weitere und fortschrittlichere Werkzeuge zu bauen. Und am Ende hat man ein Durcheinander vieler verschiedener Werkzeuge, die alle benötigt werden um deine eigene Behausung zu bauen. Währenddessen wird man immer wieder gezwungen durch die Gegend zu marschieren um Kisten abzuklappern, die dein eigenes Überleben sichern, das weckte bei mir Erinnerungen an Flaschensammler, die auch im Müll nach ihrer Beute suchen, Gleichzeitig kümmert man sich darum neue Rohstoffe zu besorgen, mit denen man unter anderem noch besser Werkzeuge bauen kann. Dies gelingt anhand verschiedener Werte, z.B.  sorgen eine hohe Härte und Stärke, dass man  mit der Spitzhacke noch bessere Rohstoffe abbauen kann oder Schmelzpunkt und Siedepunkt beeinflussen wie hoch die Temperatur von Gegenständen sein kann, die mit Hitze arbeiten. Das fügt dem ganzen eine angenehme Komplexität hinzu und sorgt dafür, dass man viele verschiedene Rohstoffe abbauen möchte. Da der Platz im Inventar nicht unendlich ist und man deutliche Malus in der Bewegung zu erwarten hat, sind viele Touren nötig um die verschiedenen Rohstoffe abzubauen. Leider ist es nie ganz ersichtlich, was man da abbaut, da die Rohstoffvorkommen mehrere Mineralien beinhalten, aber nur eines pro Vorkommen abbaubar ist. So muss man erstmal Probe hacken um zu wissen ob man das Material schon hat. Das erleichtert auch nicht das Finden einer speziellen Sorte mit der man gerne bauen möchte, da man auf der Karte nichts dauerhaft markieren kann und nach verlassen des Spiels der Marker fort ist.

Ungefährliche Umwelt
Damit es einen Anreiz zum Erkunden gibt, neben der Suche nach Mineralien und Versorgungsmaterial, trifft man auf Einrichtungen der ersten Kolonisten in denen man Terminals findet die mit spärlichen Informationen einen Eindruck vermitteln sollen was auf dem Planeten geschehen ist. Anfangs noch zu kryptisch und zusammenhanglos verbinden sich später Fäden zu einem Ganzen und lassen somit eine Geschichte entstehen, die einen nicht vom Hocker haut, aber doch ein klein bisschen neugierig macht. Bevor man überhaupt was von einer Geschichte erahnt, muss man weit vorgedrungen sein und Sandstürme, Windhose sowie stark verstrahlte Gebiete erschweren das Weiterkommen. Von den Stürmen geht aber kaum eine Gefahr aus, man bewegt sich entweder langsamer oder Energie und Sauerstoff werden schneller verbraucht. Nur die hohe Strahlung ist wirklich gefährlich und sorgt für einen kurzen Aufenthalt, sofern man sich nicht mit genug Pillen eingedeckt hat. Auch tiefe Stürze sind nahezu ungefährlich, dank des Jetpacks auf dem Rücken kommt man fast immer unbeschadet unten an. Natürlich kann es sein, dass man sich verletzt, mein höchster Fall verursachte aber nur dass mein kompletter Körper leicht verletzt war, was dank automatischer Regeneration in nur wenigen Minuten verheilt ist. Zumindest kann man auf diese Art die doch langen Wege etwas abkürzen.

Bauen macht Spaß!
Aber nun genug von der Erkundung und dem aufgesetzt und wenig motivierendem Survivalaspekt, das Herzstück des Spiel ist das Bauen. Dies macht man, indem man Platten herstellt und in der Welt platziert, was notwendig ist um seine Gegenstände aufzustellen, denn man kann nicht einfach wild in der Gegend bauen. Die Einrichtungen der Erst-Kolonisten sind tabu, dort kann nichts platziert werden und bei anderen Spielern nur mit Erlaubnis. Da die Umgebung im Spiel unveränderbar ist, ist es ratsam sein Werk höher anzulegen, denn ansonsten schauen Teile des Bodens oder Steine aus den Platten heraus, was nicht nur unschön ist, sondern auch zu einer nicht bebaubaren Fläche führen kann. Hat man dann eine Grundlage geschaffen, kann man sich den großen Maschinen zuwenden, die in Sachen Qualität, Schnelligkeit und Lagerkapazität die mobilen Pendants in die Tasche stecken. Dazu baut man sich einen sogenannten “Rahmen”, der dann weiter ausgebaut werden kann. Der Name ist leider unglücklich gewählt, denn der Rahmen ist eigentlich ein Gerüst und die Vorstufe zum Bauen seiner Maschinen. Dieser Fehler ist der nicht ganz gelungenen und nur teilweisen deutschen Übersetzung geschuldet, die noch im Aufbau liegt. Zudem beenden die Maschinen ihren Auftrag auch wenn der Spieler offline geht, was nützlich ist um große Mengen auszuführen und seine gehorteten Rohstoffe zu verbrauchen um beim nächsten Mal direkt mit dem Bauen anzufangen. Um die meisten Maschinen lauffähig zu bekommen, muss man sie mit Strom versorgen. Den bekommt man indem man über Solarmodule Sonnenenergie in Strom umwandelt und die Maschinen über Kabel damit verbindet. So ist es später auch möglich seine Produktion automatisch ablaufen zu lassen.

Um einen Ort zum Wohnen herzustellen, muss man einen versiegelten Raum erschaffen und den mit Sauerstoff versorgen, um ohne seinen Raumanzug atmen zu können. Dazu braucht man einen Tank zur Lagerung von Gasen und Rohre die den Tank mit dem Wunschort verbinden. Mit einer Pumpe wird der Druck geregelt um einen spezifischen Wert zu erreichen und voila! Endlich kann man frei atmen. Nun nur noch Stühle und Tische gebaut, sein eigenes Bett um sich nach einem anstrengenden Tag auszuruhen und eine Küche um sich allerlei Leckereien zuzubereiten. Leider bietet Rokh dies nicht an, die eigene Bude bleibt ein trister, leerer Ort, sofern man sich nicht entscheidet es mit Maschinen oder Lagerkisten zu bestücken, dann hat man aber allerhöchstens eine bewohnbare Lagerhalle. Und auch riesige Fabriken sind nicht möglich, denn nach 2000 gelegten Platten hat man die maximale Größe erreicht. Dies soll vermutlich dazu führen sich mit anderen Spielern einzulassen um gemeinsam sein Wunschobjekt zu basteln, was vieles im Spiel erleichtert. Ob das klappt steht in den Sternen, andere Spiele haben gezeigt dass sowas nicht funktioniert.

Probleme wohin man sieht!
Wer mit Rokh liebäugelt und es für 24,99€ sein Eigen nennen möchte, sollte Bedenken, das Spiel befindet sich derzeit in einer Alpha, oder zumindest macht es den Eindruck sich erst in dieser frühen Phase zu befinden. Dies merkt man anhand vieler Probleme, wie die Performance die unter aller Kanone ist und sogar zu minutenlangen Stillständen führen kann. Und das ohne ersichtlichen Grund, an den Grafikeinstellungen zu schrauben hat keine Abhilfe geschaffen. Außerdem wird man von Zeit zu Zeit aus dem Spiel geschmissen und darf wieder vier Minuten warten bis man wieder im Spiel ist. Mir ist es sogar geschehen, dass ich nicht wieder ins Spiel kam und durch den Rausschmiss meine Tür nicht abgeschlossen war. Als ich mich wieder einloggen konnte, waren meine gesamten Lagerkisten geplündert und ich durfte wieder alles von vorne sammeln. Auch verschwinden ab und zu die Server und zwingen zur Pause, sofern man nicht auf einem neuen Server starten will um von vorne anzufangen. Und wenn man im Spiel ist vermiesen Anzeigefehler und unsichtbare Wände, die manche Terminals blockieren, den sowieso eher selten aufkommenden Spielspaß. Auch an der Benutzerfreundlichkeit muss noch einiges getan werden, wenn man derzeit was herstellen will, muss man erstmals die nötigen Rohstoffe zuweisen. Danach gibt man ein wie viel man herstellen will, dies könnte man einfacher regeln, indem man die unnötige Zuweisung entfernt und einfach angibt wie viel man herstellen möchte und die Rohstoffe automatisch vom Inventar verwendet werden. Und es fehlt noch an Funktionen wie ein Kampfsystem, Fahrzeuge und wachsende Lebensmittel, die das Spiel deutlich aufwerten würden.

Fazit:
Spiele wie Minecraft können eine immense Sogkraft entwickeln. Sich ein Haus, ein Schloss oder was immer man möchte zu bauen, ist einfach toll. Auch ich kann mich dem nicht entziehen, die Suche nach immer besseren Material um noch mehr zu bauen hält mich an der Stange. Rokh aber fehlt diese Sogwirkung. Es leidet unter zu vielen Problemen und scheint viel zu früh in den Early Access gestartet zu sein. Mir ist selten ein so unfertiger Early Access-Titel begegnet. Selbst das Grundlegendste scheint noch nicht integriert zu sein, der Survivalaspekt ist zu rudimentär und führt nur dazu in der Gegend die Kisten abzuklappern. Ja, man kann später auch anders an Trinkwasser und Sauerstoff kommen, aber Nahrung und Pillen zwingen einen immer noch diese Kisten aufzusuchen. Das Ziel der vollkommenen Selbsterhaltung ist derzeit noch unmöglich. Dazu macht es keinen Spaß auf dem öden Mars auf Erkundung zu gehen, die Einrichtungen der Erst-Kolonisten bieten in Form der Terminals Anreize, aber die Umgebung bleibt einfach zu ähnlich und ereignislos. Den Gefahren kann man getrost entgegentreten, denn die nötige Mehrversorgung ist stets in Reichweite. Die Wege sind zudem viel zu lang, Fahrzeuge die Abhilfe schaffen könnten, müssen erst noch dem Spiel hinzugefügt werden. Um Bauen zu können benötigt es Unmengen an Mineralien und Werkzeuge. Man ist oft damit beschäftigt von einem Werkzeug zum nächsten zu switchen, weil um eine Sache anzufertigen bis zu fünf Geräte gebraucht werden.
Das Personalisieren der eigenen Gebilde ist derzeit nur durch verschiedene Mineralien gegeben, die jeweils andersfarbig sind. Bautechnisch ist man ansonsten auf seine Maschinen begrenzt, Stühle, Tische, Betten fehlen komplett. Darum kann man Rokh getrost links liegen lassen, es gibt einfach bessere Alternativen, die schon in ihrer frühen Early-Access-Phase mehr zu bieten hatten.
dennoch sollte man das Spiel nicht komplett abschreiben, das Potential ist da, es muss nur genutzt werden, dann könnte auch ich mich wieder auf dem Mars begeben.

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